Buch: Navid Kermani – Ausnahmezustand

Der Schriftsteller und Orientalist Dr. Navid Kermani ist wieder mal ein Autor der mir bisher komplett entgangen ist.
Tatsächlich bin ich dieses Jahr erst auf ihn aufmerksam geworden. Allerdings nicht durch ein Buch sondern durch eine Rede.

Navid Kermani hat anläßlich der Feierstunde zum 65. Geburtstages des Grundgesetzes eine sehr beeindruckende Rede gehalten.
Deutliche Worte, sowohl Lob als auch Kritik und das Ganze ausgedrückt in einer wunderbaren Sprache.
Bemerkenswert sind seine Hinweise zur faktischen Abschaffung des Asylrechts
Wirklich sehenswert.

Die Abschrift gibt es hier

Kurz darauf fand ich zufälligerweise sein Buch Ausnahmezustand – Reisen in eine beunruhigte Welt
Der Klappentext beschreibt das Buch mit den Worten:
“Man könnte ihn die Welt hinter Lampedusa nennen: den Krisengürtel, der sich von Kaschmir über Pakistan, Afghanistan und Iran bis in die Arabische Welt und bis an die Grenzen und Küsten Europas erstreckt. Navid Kermani hat die Orte besucht, an denen keine Übertragungswagen von CNN stehen und dennoch hoch gefährliche Schwelbrände den Weltfrieden bedrohen. In seiner oft gerühmten, wundersam beweglichen und behutsamen Prosa berichtet er von den Kriegen der NATO und den Schattenseiten der Globalisierung in Indien, vom Aufstand in Syrien und der prekären Lage in Palästina. Er war als einziger westlicher Reporter bei der Niederschlagung der Massenproteste in Teheran dabei und hat die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer beobachtet. Seine mitreißenden Reportagen lassen uns eine Welt im Aufruhr verstehen, lassen uns mitfiebern, mitleiden, aber auch den Alltag und das scheinbar Nebensächliche sehen.”

Das Buch ist eine Sammlung von Reisereportagen die bereits an anderen Stellen erschienen waren. Die Texte haben keinen Zusammenhang oder eine chronologische Reihenfolge.
Jedes der einzelnen Kapitel erzählt von Menschen die inmitten der Krisen tagtäglich leben und überleben müssen. Es ist diese Perspektive der Alltagsszenen und des genauen Beobachtens die dieses Buch so lesenswert macht.
Navid Kermani ist nicht nur Erzähler. Er ist auch Protagonist. Und er nimmt auch Partei. Das macht er aber auch deutlich und erklärt auch warum er nicht mehr unparteiisch sein kann.

Der Zeitraum der Erzählungen beginnt in 2005 bis 2012. Das Erschreckende ist für mich, dass sich an den Krisen noch nichts geändert hat. Egal ob es um Palästina, Syrien oder Afghanistan geht. Ganz im Gegenteil. Die Lage scheint an manchen Orten schlimmer zu sein, als es zu dem Zeitpunkt war als der Autor dort war.
Der Schreibstil und die Sprache von Navid Kermani gefällt mir sehr gut. Es wird Zeit, dass ich mich mit seinen weiteren Büchern befasse.

Ein Potrait von Navid Kermani in der Wikipedia

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