Internetkommentare oder der Blick in menschliche Abgründe

Eigentlich wollte ich es mir schon lange abgewöhnen die Kommentare zu bestimmten Themen im Internet zu lesen.
Früher fand ich es manchmal ganz witzig wenn speziell im Heise Forum die Windows- und Linux-Fraktionen ihre Flamewars ausgetragen haben.
Aber da die Nutzerzahlen im Internet in den letzten Jahren stark angestiegen sind, hat sich natürlich auch die Zahl der unangenehmen Kommentare vervielfältigt.

Während die Zeit und auch die Süddeutsche Zeitung die Kommentare moderieren, findet in vielen anderen Medien wenig bis gar keine Moderation statt.
Die Kommentare bei Spiegel Online scheinen so gut wie gar nicht moderiert zu werden. Und bei Facebook habe ich den Eindruck, darf sowieso alles gesagt werden.
Das sind so die Hauptseiten auf denen ich unterwegs bin. Natürlich gibt es auch noch zig-andere mehr oder weniger gut moderierte Seiten im Netz.
Ich bin kein Freund von Zensur. Das Recht auf Meinungsfreiheit ist ein sehr hohes Gut. Wenn die Kommentare aber rassistisch, persönlich beleidigend und menschenverachtend sind oder Drohungen enthalten hört der Spass auf.

In den letzten Wochen waren wieder einige Nachrichten auf der Tagesordnung die eine ganz besondere Spezies von Kommentatoren auf den Plan ruft. Die Hater. Menschen die anscheinend ein perverses Vergnügen daraus ziehen ihren verbalen Müll über andere auszukippen.

Angefangen mit dem Outing des ehemaligen Fußballprofis Thomas Hitzelsberger. Der erste Ex-Fußballprofi der sich dazu bekennt schwul zu sein. Nun sollte man glauben, dass in dem ach so toleranten Deutschland homosexuell zu sein kein Thema mehr sein sollte.
Aber was manche Menschen dazu glauben sagen zu müssen ist erschreckend. Der Hass der in einigen Kommentaren verbreitet wird ist beängstigend.
Das ist natürlich kein reines Internetproblem. Ich möchte nicht wissen was an manchen Stammtischen losgelassen wird.
Sehr gut hat das Esther Schapira in ihrem Kommentar in der Tagesschau zum Ausdruck gebracht.

Und dann gibt es da noch in Baden-Württemberg die Idee, das Thema Akzeptanz von sexueller Vielfalt in den Bildungsplan aufzunehmen.
Ach herrje. Man könnte meinen das jetzt das Abendland untergeht. Auf der Plattform open petition wurde eine Petition gegen “die Ideologie des Regenbogens” erstellt. Die Petition hat drei Tage vor Ablauf der Frist über 170.00 Unterschriften. Die Kommentare die dort teilweise abgegeben wurden lassen mich an der Menschheit verzweifeln.
Bei Twitter kann man das gut verfolgen mit den Hashtag idpet
Nele Tabler hat das in ihrem Blog gesammelt und aufbereitet.

Viele Blogs, ganz besonders die von Frauen die zu feministischen Themen schreiben sind verstärkt von diesen Angriffen betroffen.

Die Seite hatr.org z.B. sammelt Kommentare die in Blogs nicht freigeschaltet wurden. Da kann einem schon mal Angst und Bange werden beim durchlesen.

Ich finde es erschreckend welcher Hass dort verbreitet wird. Und manchmal machen mir diese Typen auch echt Angst.
Es ist ja nicht so, dass sich alle, sehr viele, aber nicht alle hinter anonymen Pseudonymen verstecken. Gerade auf Facebook schreiben viele mit ihrem echten Namen.
Natürlich könnte ich mir sagen, selbst Schuld. Warum liest Du den Müll. Schließlich bin ich nicht persönlich davon betroffen. Aber wenn ich dieses Phänomen ignoriere, verschwindet es ja nicht.
Ich habe für mich noch keine Lösung gefunden wie ich damit umgehen soll. Ich bin der Meinung dass man das ernst nehmen sollte. Oder geben ich diesem Irrsinn damit zu viel Raum?

Und es ist auch kein deutsches Problem wie dieser sehr lange und ausführliche Artikel zum Thema Cyberstalking zeigt.

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4 Antworten auf Internetkommentare oder der Blick in menschliche Abgründe

  1. Ich nehme mir immer vor, Kommentare nicht zu lesen, aber irgendwie ist es auch immer der Reiz des Gruseligen, der mich zum lesen bringt.

    Auf FB und Twitter habe ich mir zur Gewohnheit gemacht Leute mit mir nicht in meine Lebenswelt passende Äußerungen zu blockieren. Mit denen würde ich mich auch real nicht umgeben wollen also warum virtuell?

    lg
    marcel

  2. Sabine sagt:

    Dem Gruselfaktor kann ich zustimmen. Ist wahrscheinlich auch Teil meiner Motivation das Zeug dann doch immer wieder zu lesen.

  3. Moritz sagt:

    Jede Webseite hat die Kommentare, die sie verdient. Viele Magazine haben erst einmal Angst, die Trolle knallhart rauszuschmeißen, schließlich will man ja Kommentare haben. Diese Leute vernichten aber knallhart jede Diskussionkultur, so dass es immer schlimmer wird.
    Ich sehe Moderation und Forenpflege nicht als Zensur an. Es gibt meist klare Vorgaben für Kommentare, wer die nicht befolgen will, der möge sich ein andere Magazine suchen.
    Ein absolutes Positivbeispiel ist Hackernews (news.ycombinator.com). Dort sind die Diskussionen weit von den Trollereien in einem Heise-Forum oder anderen IT-Seiten entfernt – im Gegenteil. Da entwickeln sich spannende, fachlich tiefe Gespräche, bei dem Einzelne auch immer wieder eingestehen, dass sie falsch liegen. Aber bis dahin ist es halt ein harter Weg.

    • Sabine sagt:

      Danke für Deinen Kommentar. Du hast schon recht mit Moderation und Forenpflege. Manchmal ist es wahrscheinlich ein schmaler Grat. Und im Zweifel zählt wohl auch das ‘Hausrecht’

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