Veggieday – eine mediale Sau wird durchs Dorf getrieben

Zu Beginn dieser Woche konnte man den Eindruck bekommen, dass das Abendland untergehen wird.
Große Aufregung. Die Grünen wollen das Fleisch essen verbieten.
Die Verbotspartei will den Menschen ihr Essverhalten vorschreiben!

Was war passiert?
Renate Künast hatte sich der “Bild-Zeitung” gegenüber geäußert dass die Grünen einen Veggie Day in öffentlichen Kantinen unterstützen. Das ist kein neues Thema. Die Grünen sind schon länger mit dem Thema unterwegs, was man auch unschwer jederzeit heraus finden kann.
Zitat: “Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein »Veggie Day« sollen zum Standard werden. Wir wollen ein Label für vegetarische und vegane Produkte.”
Kein Wort von Verbot, Vorschrift oder Gesetz.

Die Bild macht wieder eine für sie typische Schlagzeile draus “die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten” Hach was für ein Aufreger. Naja, von der Bild kann man nichts anderes erwarten.
Schlimm finde ich allerdings, dass sich anscheinend fast die komplette deutsche Presse auf die Schlagzeile gestürzt hat und wohl keiner Willens war zu differenzieren. “Nachrichten” von der Bild abschreiben, das nennt man dann Journalismus!

Sehr schön hat das Stefan Niggemeier in seinem Blog analysiert Wie man aus alten Fleischabfällen der Bild Zeitung Nachrichten macht
Auch in der Süddeutschen gab es einen passenden Kommentar Die Grünen, das Fressen und die Moral

Unabhängig davon, dass es sehr viele Punkte gibt die für weniger Fleischkonsum sprechen hat mich die Aufregung aus einem anderen Grund frustriert.
Seit Wochen kommen ständig neue Informationen über den Überwachungsskandal ans Tageslicht. Unsere Grundrechte werden ausgehöhlt und abgeschafft. Wir kommen dem Überwachungsstaat immer näher. All das ist vielen Menschen nur ein Achselzucken wert.
Aber kaum will eine Partei angeblich den Deutschen vorschreiben was sie essen sollen bricht ein Proteststurm los. Diese Aufregung hätte ich mir bei Prism etc. gewünscht. Das ist es was mich wirklich frustiert.

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5 Antworten auf Veggieday – eine mediale Sau wird durchs Dorf getrieben

  1. Irene sagt:

    Renate Künast hatte sich der “Bild-Zeitung” gegenüber geäußert dass die Grünen einen Veggie Day in öffentlichen Kantinen unterstützen. Das ist kein neues Thema.

    Und heute ist in der Abendzeitung zu lesen, dass Trittin irgendwas dazu gesagt hat. Ich dachte, der will Finanzminister werden? Wenn solche Leute aus der Bundespolitik über Kantinenkost reden, dann riecht das halt etwas nach angedrohter Anordnung von oben.

    Das käme ganz anders rüber, wenn irgendwer im Ortsverband vorschlagen würde, dass Kantinen, die der hiesigen Kommune unterstellt sind, einen Veggie Day einführen.

    • Sabine sagt:

      Da das Thema in den Medien so hoch gekocht ist, wird er wahrscheinlich gefragt worden sein und seine Meinung dazu kund getan haben. Vielleicht auch ungefragt? Ich weiß es nicht. Aber warum soll er auch nichts dazu sagen?
      Und es gibt es ja auf kommunaler Ebene schon viele Aktionen. Wo jetzt konkret Grüne Ortsverbände dabei sind oder andere Institution kann ich nicht beurteilen. Ich weiß von der Initiative durch den Vebu Donnerstag ist Veggietag

      Und hier hat eine Bloggerin bei den Grünen selbst nochmal nachgefragt und eine klare Antwort bekommen

      • Irene sagt:

        Das Interessanteste, was bei dieser Debatte rausgekommen ist, ist für mich dieser Artikel:
        http://www.heise.de/tp/artikel/39/39650/1.html

        Ich finde einen fleischlosen Tag ja gar nicht falsch. Aber wenn die Grünen das unterstützen, dann fordern sie halt einen Verzicht von anderen, der in den eigenen Kreisen gar keiner ist, weil man eh wenig Fleisch isst. Damit riecht es ein wenig selbstgerecht.

        Spannender wäre es, wenn die Grünen ihre eigene Basis dazu aufrufen würden, 10 Jahre lang keine privaten Flugreisen zu machen. Auch keine guten Mittelschichtsreisen ins Vollwerthotel mit Klima-Ablass-Spende an Greenpeace.

  2. Das ist leider das übliche Vorgehen in Deutschland.
    Wirklich wichtiges wird ignoriert bzw nur mal kurz angesprochen und das, was offensichtlich ist, wird breit diskutiert.
    Die Leute lesen nun mal die Bild und die restlichen Zeitungen titeln genauso und gehen nur in ihren Artikeln ein wenig recherchierter darauf ein. Warum? Um Auflage zu kreieren, um Klicks zu bekommen.
    Würde da die Wahrheit stehen, wäre es kein Skandal und somit uninteressant.

    Und vielleicht ist ein NSA-Skandel für viel zu viele immer noch #Neuland. Oder zu komplex? Oder so angsteinflößend, dass man einfach so tut, als wäre es gar nicht da.

    Ich weiß es nicht, aber dieser Vorgang ist schon traurig.
    Doch wie soll man dem abhelfen?

    • Sabine sagt:

      Ich finde das manchmal schon sehr frustrierend. Lösungen habe ich auch keine. Was mir wichtig ist immer wieder thematisieren und ansprechen. Im persönlichen Umfeld anfangen. Steter Tropfen höhlt den Stein ;-)

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